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Aus urchristlicher Sicht - Nachrichten und Kommentare zum Tagesgeschehen

So stellen sich Technokraten die Zukunft vor


Wer meint, in der Landwirtschaft gäbe es keine Zukunft, der irrt sich. Just in der Phase, in der es mit der Landwirtschaft rapide bergab geht, immer mehr Höfe aufgegeben werden und immer mehr Landwirte ihr Auskommen – soweit noch möglich – in der Fabrik suchen müssen, gibt es den Strohhalm für alle.

Angeboten wird er von jenen, die es schon in der Vergangenheit verstanden, mit großen und doch nicht eingehaltenen Versprechen die Landwirte zu Investitionen zu animieren – die Landmaschinen-Industrie. Um – nach ihrer Darstellung (Die Welt, 17.01.2004) – allein in den kommenden sieben Jahren genug Nahrung für die Menschen weltweit produzieren zu können, bedarf es zusätzlich 850.000 Quadratkilometer Ackerland – eine Fläche, die so groß ist wie Italien und Frankreich zusammen. Für die Bewirtschaftung dieser Fläche sind natürlich Maschinen erforderlich, große Maschinen. Und die hilfreiche Hand streckt schon heute die Agrarindustrie aus.

Ziel: Kontrolle über die Natur

Wenn Landwirte allerdings glauben, dass es der Industrie wirklich um den Erhalt ihres Berufsstandes geht, dann sollten sie auch die Visionen der Agrarindustriellen für das Jahr 2050 nachlesen. Ihr erklärtes Hauptziel: Sämtliche die Landwirtschaft beeinflussende biologischen und klimatischen Variablen zu kontrollieren. Quantität und Qualität der Ernte sollen ja stabil und planbar sein, denn nur das bringt den erhofften Erfolg. Dazu muss die Landwirtschaft noch viel mehr industrialisiert werden. An entlegenen Orten, wie in der Wüste, an den Polen, unter der Erdoberfläche oder gar im Weltraum entstehen nach den Plänen der Protagonisten große Agrarfabriken. Das Wachstum der Pflanzen und etwaige von der Norm abweichende Entwicklungen werden vom Weltall aus mit Hilfe von Satelliten überwacht. Maschinen und »intelligente« Roboter greifen dann zentimetergenau ein. Wird vom überall wachsamen »Auge« die Reife des Kornes »gesehen«, dann wird von einer über den Feldern schwebenden Basis gleich die ganze Ernte erledigt. Menschen braucht es dann keine mehr, auch kaum noch Landwirte, die sind zum Verbraucher, sprich Esser der Ernteprodukte degradiert worden. Und Pflanzenarten, die nicht auf künstlichem Boden kultiviert werden können, werden vom im Erdreich untergebrachten Mikrocomputern überwacht. Schöne »neue Welt«. Es braucht wohl nicht viel Phantasie, um zu erahnen, wer hinter dieser »Weltordnung« steht.

»Macht euch die Erde untertan ...«

Der Name des Projektes lautet »Precision Farming«, was so viel wie »präzise Landwirtschaft« bedeutet. Nichts wird mehr dem »Zufall«, d.h. dem innewohnenden Naturgesetz, überlassen, ganz nach dem bewusst missverstandenen Motto: »Macht euch die Erde untertan.« Der Mensch ist im Jahr 2050 zum Sklaven von Robotern und Satelliten geworden – und zum Erfüllungsgehilfen einiger weniger, die an den Schalthebeln der Macht sitzen. Werden die Menschen sich das gefallen lassen? Vielleicht sind sie ja bis dahin selbst manipuliert und merken gar nicht mehr, was passiert, nachdem die vor längerer Zeit (im Jahr 2004) auch in Deutschland genehmigte Verwendung von gentechnisch veränderten Organismen der Genmanipulation Tür und Tor geöffnet hat.

Oder wird es anders kommen? Bleibt die Perspektive der Konzerne eine Schreckensvision? Wird es ihnen gelingen, noch mehr Kleinbauern von ihrem Land zu vertreiben, um dort auf ausgeräumten, heckenlosen Feldern noch mehr Profite zu machen – und unter dem Deckmantel der Bekämpfung des Hungers den Hunger zu vergrößern?

Es hängt von uns allen ab – von uns als Konsumenten: Greifen wir zu Produkten aus industrialisierter und genmanipulierter Landwirtschaft? Oder geben wir einem Landbau den Vorzug, bei dem die Landwirte, auch wenn sie noch Maschinen einsetzen, dennoch in friedfertiger Weise mit dem Boden und mit den Elementen umgehen und kommunizieren? (hz)

aus der Zeitschrift 
»Das Friedensreich«

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