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Aus urchristlicher Sicht - Nachrichten und Kommentare zum Tagesgeschehen

Sind der Todeszeitpunkt und das Schicksal der Seele im Jenseits Gottes Geheimnis?


Vor allem bei Schicksalsschlägen müssen Menschen

oft mit Bitterkeit erleben, dass sie von der katholischen und den evangelischen Kirchen keine Antworten auf ihre Fragen bekommen.

Vor allem bei Schicksalsschlägen müssen Menschen

oft mit Bitterkeit erleben, dass sie von der katholischen und den evangelischen Kirchen keine Antworten auf ihre Fragen bekommen. Oder sie bekommen zu

hören, wie Gott für Leid und Tod mehr oder weniger verantwortlich gemacht wird. Viele Propheten und weise Männer und Frauen, die Antworten wussten, ließ man früher auf Scheiterhaufen verbrennen, heute verspottet und verleumdet man sie. Doch wer ehrlich sucht, der wird diese Antworten trotz alledem finden.

Nichts von dem, was sich ein Mensch an materiellen Gütern auf dieser Erde erworben hat, kann er nach dem Tod mitnehmen. Denn Besitz und Reichtum bleiben, so vorhanden, auf dieser Welt zurück und werden unter den Erben verteilt. Auch ist fraglich, ob das Ansehen oder die Ehre, die sich ein Mensch erworben hat, ihm auch nach dem Tod entgegengebracht werden. Nach der Lehre der beiden großen Kirchen entscheidet sich während seiner kurzen Erdenzeit das jenseitige Schicksal des Menschen, das für ihn letztendlich den Himmel oder die ewigen Höllenqualen bedeuten soll. Den Schlüssel zum Himmel vermittle nur die Kirche, so die Lehre. Doch wer daran glaubt, riskiert nicht nur, dass er in diesem Leben verzweifelt. Er muss unter Umständen als Seele im Jenseits unter Schmerzen erleben, dass er von den Bischöfen und Pfarrern in die Irre geführt und um die Chance seines Lebens gebracht wurde.

Wo war Gott am 22. Februar?

Wer dem kirchlichen Glauben anhängt, kann zunächst einmal genauso fröhlich oder traurig sein wie ein Mensch, der einen anderen Glauben hat. Oftmals ist er sich gar nicht bewusst, was eigentlich genau in der römisch-katholischen oder den vielen evangelischen Kirchen gelehrt wird, deren Mitglied er durch die Taufe geworden ist. Bei genauerem Nachforschen würde er bald Ungereimtheiten, Widersprüche und Uneinigkeiten in den Kirchenlehren feststellen, die man schließlich unter dem Oberbegriff »Geheimnisse Gottes« glatt hobelt. Mit diesen »Geheimnissen« können viele einigermaßen leben, solange nicht schwere Krankheit oder Schicksalsschläge in ihr Leben eingetreten sind, z.B. durch den unerwarteten Tod eines nahen Angehörigen. Dann nämlich taucht ganz automatisch die Frage auf: Warum? Warum dieses Leid? Warum mein Partner, mein Freund, mein Verwandter? Und wo ist Gott? Oder ganz konkret: »Wo warst du, Gott, an diesem 22. Februar?« So predigte der Vorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Huber, bei der Bestattung eines ermordeten Mädchens.

Aus lauter »Güte« ins Jenseits

gezogen?

Als vier Kinder von Mitarbeitern einer Kirchengemeinde auf der Rückfahrt von einem Skiurlaub tödlich verunglückten, deuteten die Eltern deren Tod mit einem Gottes-Wort durch den Propheten Jeremia: »Ich habe euch je und je geliebt, darum habe ich euch zu mir gezogen aus lauter Güte«(idea-spektrum 2/02). Natürlich liebt Gott die Menschen »je und je«, und dies kann zu einem echten Trost werden. Doch kann das sein, dass Gott die vier jungen Menschen »aus lauter Güte« durch diesen Unfall ins Jenseits gezogen hat?

In einem Spielunfall, bei dem sich der 9-jährige Sohn anderer Kirchenmitarbeiter im Jahr 1999 versehentlich strangulierte, können die Eltern bis heute »keinen Sinn sehen«. »Gott hat sein Geschenk zurückgenommen«, lautet ihre Erklärung (47/03).

Dass angeblich Gott bestimmt, wann genau die Menschen sterben, darin werden die Kirchenmitglieder von ihrer Kirche bestärkt. »Im Tod ruft Gott den Menschen zu sich«, heißt es knapp im Katechismus der Katholischen Kirche (1011). Und bei Bestattungen beten die Priester und Pfarrer: »Nachdem der allmächtige Gott unseren lieben Bruder / unsere liebe Schwester abgerufen hat aus dieser vergänglichen Welt ...« Und in einem der offiziellen Textvorschläge für lutherische Pfarrer heißt es sogar: »Es hat dem allmächtigen Gott gefallen ...«, den Verstorbenen zu sich zu holen.

Die plötzliche

ewige Vergeltung

Doch nach welchen Kriterien sollte sich Gott die Menschen jeweils holen? Weil er sie vielleicht besonders liebt, wie man bei der Deutung des Todes der vier verunglückten Jugendlichen vermuten könnte? Warum würden dann aber auch Menschen in jungen Jahren von ihm geholt, die nicht an ihn glaubten und im übrigen auch kein besonders »anständiges« Leben führten? Da man gemäß der Kirchenlehre ihre Verdammnis vermuten müsste, hätte Gott sie doch noch einige Zeit im Diesseits lassen können, damit sie vielleicht doch noch in die Kirche und zur ewigen Seligkeit fänden? Denn glaubt man der römisch-katholischen Kirche, verhält es sich so: »Jeder Mensch empfängt im Moment des Todes in seiner unsterblichen Seele die ewige Vergeltung. Dies geschieht in einem besonderen Gericht, das sein Leben auf Christus bezieht – entweder durch eine Läuterung hindurch [damit ist das Fegefeuer gemeint] oder indem er unmittelbar in die himmlische Seligkeit eintritt oder indem er sich selbst sogleich für immer verdammt« (Katechismus Nr. 1022).

Luther: Schon

Säuglinge zur

Verdammnis

vorherbestimmt

Doch warum sollten sich Menschen selbst »sogleich für immer« verdammen? In früheren Lehraussagen hieß es noch, dass Gott es sei, der verdammt. Mehr noch: Der Reformator Martin Luther war sogar davon überzeugt, dass Gott schon bei der Geburt eines Säuglings diesen entweder für die ewige Seligkeit oder für die ewige Verdammnis vorherbestimmte. Zwar hat die evangelische Kirche Luthers Lehre dahingehend geändert, dass Gott die ewige Verdammnis nicht vorherbestimme, sondern nur vorhersehe - was auch die katholische Kirche lehrt - doch für den letztlich Verdammten läuft es auf das Gleiche hinaus. Vorherbestimmt oder nur vorhergesehen - ewig verdammt bleibt nun mal ewig verdammt!

Zusammenfassend kann man sagen: Die Kirchen lehren, dass Gott den Todeszeitpunkt eines Menschen festlegt und den Menschen dann von der Erde wegnimmt, wobei dessen Erdenleben darüber bestimmt, ob er im Jenseits in die ewige Seligkeit eintritt oder ob er unwiderruflich und endgültig in furchtbaren Höllenqualen leben muss, was von Gott alles bereits vorhergesehen würde. An dieser Stelle soll nun der Frage nachgegangen werden, ob und wie Gläubige mit dieser Lehre zurecht kommen.

»Zornig auf Gott« im Internet

Das katholische Bistum Trier hat im Internet eine »Klagemauer«für Trauernde eingerichtet und spricht sie mit den Worten an: »Das, was geschehen ist, ist so unbegreiflich, so unfair. Sie sind wütend, zornig, enttäuscht über Menschen, über Gott ... Die Klagemauer kann helfen, all das auszudrücken.« Doch wohin soll das Klagen führen? Wenn Gott alle Toten nach seiner unergründlichen Vorsehung zu sich holte und dann für alle Ewigkeiten richtete, dann wäre nicht nur eine Klage sehr verständlich. Es wäre auch nahe liegend, im Namen der Gerechtigkeit gegen diesen Gott aufzubegehren und sich von ihm loszusagen.

Ist Gott grausig

zu sich selbst?

Ein evangelischer Missionar und Bibellehrer, dessen Schwiegersohn tödlich verunglückt war, hat sich anders geholfen. »Weil Gott sich selbst in Christus einen menschlich grausigen Tod zugemutet hat, kann er die Situation verstehen« (42/03), so tröstete sich der Missionar. Doch was nützt dem Betroffenen die Vorstellung, dass Gott womöglich auch zu sich selbst grausig gewesen sei und den Menschen deshalb verstehe? Abgesehen davon, dass Jesus von Menschen gequält und hingerichtet wurde und nicht von Gott - wäre es dann nicht besser, Gott machte dem ganzen Grauen ein Ende?

Noch einen Schritt weiter als der Missionar ging ein evangelischer Pfarrer, dessen Mutter Selbstmord beging, indem sie sich auf die Bahngleise legte. Für den Pfarrer zeigte sich die »Liebe Gottes« schließlich »in der Gewissheit, die ich bekam, dass Gott nicht einfach nur zuschaute, als meine Mutter auf dem Gleis lag, ... sondern Jesus allein sich zu ihr legte, ja sich mit überfahren ließ, um sie dann zu bergen« (47/03). Was für den Augenblick trostreich sein kann, hinterlässt langfristig allerdings mehr Fragen als Antworten. So wird Christus hier nicht als derjenige gesehen, der den Menschen alle nur erdenklichen Hilfen gibt, von einem Selbstmord Abstand zu nehmen, z.B. durch Mahnungen über das Gewissen oder durch eine Begegnung mit einem Mitmenschen. In der Glaubensvorstellung des Pfarrers vollzieht Christus makabrerweise den Selbstmord der Frau mit, um gleich »Gevatter Tod« die Verstümmelte anschließend mitzunehmen, auch wenn das Wort »bergen« natürlich liebevoller klingt.

Drohung an mögliche Aussteiger

Dabei gilt dieser Trost, im Jenseits bei Christus zu sein, nur für diejenigen, welche dem kirchlichen Glauben die Treue halten. »Um ihn müssen wir nicht traurig sein«, predigt deshalb ein anderer Pfarrer am Grab eines tödlich verunglückten Kirchenmitglieds. »Trauern müssen wir um diejenigen, die sterben, ohne unseren Herrn angenommen zu haben« (29/03). Ein Schauer mag manchen Gläubigen hierbei durchzuckt haben, verbunden mit der Angst, die eigenen Zweifel an der Kirchenlehre oder der ins Auge gefasste Kirchenaustritt könnten womöglich das ewige Heil kosten.

Theologen

verstecken sich

hinter »Geheimnissen Gottes«

Den vollständigen Artikel finden Sie in der Zeitschrift Das Friedensreich

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